Das Wort Fehler mit Kühlschrankmagnetbuchstaben geschriebenOh, das tut weh. Ausgerechnet bei der FAZ, die sich lange, lange gegen die Rechtschreibreform zur Wehr setzte und irgendwann doch vor der Leserschaft und den Schreibgewohnheiten der eigenen Autoren kapitulierte – und nicht nur die Frakturschrift abschaffte, Bilder auf Seite 1 einführte, sondern schließlich auch auf neue Rechtschreibung umstellte. Ausgerechnet bei der FAZ liest man nun das einzige der ß/ss-Wörter, das entgegen dem Trend von der Rechtschreibreform nicht angetastet wurde und das sein Eszett trotz vorangehendem kurzen Vokal behalten durfte (weil Litfaß ein Eigenname ist), mit dreifachem S, in einer Reihe mit der schnöden Schifffahrt und dem schlimmen Messstab:

Litfasssäulen

(FAZ.net, 16.6.2014)

Argh! Schämt euch, FAZ!

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Das Wort Fehler mit Kühlschrankmagnetbuchstaben geschriebenWer ist eigentlich dieser ominöse Außen? Und wieso hat er wohl nicht geholfen?

Ob die Männer (…) Hilfe von Außen bekamen, konnte der Justizsenator noch nicht sagen: „Wir haben keinerlei Anhaltspunkte für eine Hilfe von Außen (…)

(Tagesspiegel.de)

Lieber Tagesspiegel, ob drinnen, draußen, außen oder innen – der Kleinschreibung kann man nicht entrinnen.

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Das Wort Fehler mit Kühlschrankmagnetbuchstaben geschriebenDie FAZ schreibt:

In (…) Seoul sind zwei U-Bahnzüge aufeinander geprallt.

Wer findet den Fehler? Natürlich, es heißt korrekterweise aufeinandergeprallt.

Bildlich vorgestellt würden sonst beide Züge übereinanderliegen (nicht: übereinander liegen) und auf irgendetwas prallen – nur nicht gegeneinander (nicht: gegen einander).

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Die FAZ schreibt über die Zukunft des Straßenverkehrs, dass es erhebliche Investitionen bräuchte,

um mit dem rasanten Anstieg fertig zu werden

– und baut nach aktueller Rechtschreibung einen Rechtschreibfehler ein. Ein schönes Beispiel für die Verwirrung beim Fertigwerden. Das Wort fertigwerden gibt es in zwei Varianten. Einmal in der Bedeutung von „etwas vollenden“ – und dann noch einmal in übertragener Bedeutung im Sinne von „mit etwas zurechtkommen“.

Das Wort Fehler mit Kühlschrankmagnetbuchstaben geschriebenIn der alten Rechtschreibung schrieb man beide Varianten getrennt, nach der Rechtschreibreform weiterhin getrennt, und nach der Überarbeitung der Rechtschreibreform auf einmal zusammen. Getrenntschreibung ist ebenfalls weiterhin möglich, aber nur dann, wenn „mit etwas zurechtkommen“ gemeint ist. Ganz einfach und logisch, oder?

etwas vollenden: fertigwerden/fertig werden
mit etwas zurechtkommen: fertigwerden

Im FAZ-Beispiel wäre also nur fertigzuwerden korrekt gewesen. Tipp: Wenn man sich nicht sicher ist, einfach zusammenschreiben – dann kann orthografisch nichts schiefgehen.

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Der überwiegende Teil verlangt nur ein mittelmäßiges, allgemeines Sprachniveau.

Das schreibt Plusminus über die deutschen Länder, die ausländische Mediziner anwerben. Wer so etwas schreibt, sollte es besser machen. Doch in besagtem Text schafft Plusminus es, sage und schreibe 15 Fehler unterzubringen, die das Textverständnis teils stark beeinflussen – die vielen und wild durcheinander gesetzten typographisch korrekten und falschen Anführungszeichen und Gedankenstriche nicht mitgezählt. Kleine Kostprobe gefällig?

Wenn der Arzt kaum deutsch spricht ist das für Patienten

in einem hochsensiblen Bereich, wie dem Krankenhaus

Prof. Fred Weiser, der Präsident Verband der leitenden Krankenhausärzte Deutschlands findet

Optimaler Weise

Sprachprobleme wenn es

Small Talk-Niveau

Mediziner müssen damit weniger Sprachkenntnisse haben, als ausländische Lehrer

Martina Vorlickora hat besteht die Prüfung

Und an der Stelle denk ich, bedarf

dass nichts schief läuft

Fachlich gut aber

Eine Herausforderung, der sich Kliniken stellen müssen erzählt

der Anfang war schon so dass wir alle

meine Kollegen auf Station gesagt haben

Irgendwann ist es dann soweit

Vielleicht sollte man einmal darüber nachdenken, ob man die Rundfunkgebühren nicht auch in Sprachkurse für Mitarbeiter stecken könnte. Oder wie die Autorin schreibt:

Höchste Zeit für deutschlandweit höhere Sprachstandards.

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Aus unserer Reihe „aussterbende Schreibweisen“ heute ein Beispiel aus dem Berliner Tagesspiegel. Hier kämpft der Autor mit dem Begriff des Wiedergutmachens. Wie schreibt man das bloß als Verb? Wieder gut machen? Wieder gutmachen? Um das nicht entscheiden zu müssen, werden einfach beide Varianten genommen. In der Zwischenüberschrift:

Verluste, die nicht wieder gutzumachen sind

Und weiter im Text dann:

Keiner dieser Verluste war je wieder gut zu machen

Leider sind beide Möglichkeiten falsch. Die Unsicherheit wird womöglich dadurch verstärkt, dass das Wort in diesem Fall mit „zu“ gebildet wird. Doch Konstrukte mit zu fließen einfach in den bestehenden Begriff mit ein, der in der hier verwendeten Bedeutung in Wirklichkeit aus einem einzigen Wort besteht: „wiedergutmachen“ (im Sinne von Ausgleich) ist ein Wort. Daher heißt es korrekterweise dann auch einfach: wiedergutzumachen.

Siehe auch: Wiederherstellen oder wieder herstellen

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Neue Zahlen belegen aber, dass sie [die Grundschulen, Anm.] mit wesentlich weniger Geld aus kommen müssen (…)

Die erschreckenden Langzeitfolgen zeigen sich dann später bei der Rechtschreibung in den Tageszeitungen. 🙂


Rechtschreibschwäche beim Tagesspiegel

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Ein nettes Fundstück eines der Beispiele, bei denen ein klitzekleiner Rechtschreibfehler den Sinn eines Satzes ins komplette Gegenteil verkehrt:

Mit der Zeit verweisen erfahrungsgemäß eine nicht zu unterschätzende Anzahl von Links.

Der Rechtschreibfehler „verweisen“ ist dabei so schön, dass man darüber fast den Grammatikfehler „verweisen“ übersehen könnte: Obwohl „eine Anzahl“ mehrere Dinge bezeichnet, ist sie selbst Singular – manche Links verwaisen, aber eine Anzahl von Links verwaist.

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Schönes Spiel zum Ausgang der Landtagswahl in Niedersachsen: Zählen, wie oft in den Nachrichten „gleich auf“ statt „gleichauf“ geschrieben wird.

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Wofür steht eigentlich „NIDO“? Nachsitzen in Deutsch, oder?

Die aller erste Folge
NIDO-Beilage: Kinder-DVD

FSK ist hier 0. Rechtschreibung leider auch.

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